Der Druck aus den Kommunen und der Region Hannover zeigt Wirkung. Nach dem vollständigen Ausfall der S-Bahn-Linie S4 hat der Betreiber Transdev Fahrzeuge und Personal eines externen Bahnunternehmens eingesetzt. Ab Donnerstag soll die Linie zunächst wieder im Stundentakt verkehren, ab Montag, 19. Januar, ist die Rückkehr zum halbstündlichen Takt angekündigt.
„Es ging offenbar doch – allerdings erst, nachdem der öffentliche Druck massiv geworden ist“, ordnet Wedemarks Bürgermeister Helge Zychlinski die Entwicklung ein. Für die Fahrgäste sei dies ein wichtiges Signal, auch wenn der kurzfristige Totalausfall der Linie erhebliche Auswirkungen gehabt habe. Mit der angekündigten Zwischenlösung werde ein Zustand wiederhergestellt, den Fahrgäste grundsätzlich erwarten dürften. Der komplette Ausfall der S4 sei keine kurzfristige Störung gewesen, sondern habe massiv in die Mobilität vieler Bürger in der Wedemark eingegriffen.
Dass nun wieder Züge verkehren, bewertet Zychlinski nicht als besondere Leistung. „Das ist keine Kür, sondern die Erfüllung einer Selbstverständlichkeit. Öffentlicher Nahverkehr muss verlässlich funktionieren – und zwar ohne vorherigen massiven Druck aus Kommunen und Politik“, betont der Bürgermeister.
Ausdrücklich dankt Zychlinski der Region Hannover und Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz für das entschlossene Vorgehen. Die klare Haltung der Region habe maßgeblich dazu beigetragen, Bewegung in die festgefahrene Situation zu bringen. Gleichzeitig macht der Bürgermeister deutlich, dass die aktuellen Maßnahmen aus seiner Sicht lediglich eine kurzfristige Reparatur darstellen. Fahrzeuge erst nach einem Komplettausfall anzumieten, dürfe kein Normalzustand werden. Verlässlicher Nahverkehr brauche stabile und funktionierende Strukturen und keine Ad-hoc-Lösungen. Von solchen Strukturen sei Transdev derzeit noch weit entfernt.
Kritisch äußert sich Zychlinski zudem zum Umgang des Unternehmens mit der Situation. Bezeichnend sei, dass sich bislang niemand aus der Geschäftsführung öffentlich entschuldigt habe und stattdessen trotz breiter Kritik keine sichtbare Verantwortung übernommen worden sei.
Der Fall der S4 wirft aus Sicht der Wedemark grundsätzliche Fragen zur Organisation des Schienenpersonennahverkehrs auf. Öffentlicher Nahverkehr sei Teil der Daseinsvorsorge und müsse dauerhaft zuverlässig funktionieren, insbesondere im ländlichen Raum und im Hinblick auf die Verkehrswende. „Wir müssen ernsthaft darüber sprechen, wie der S-Bahn-Betrieb künftig organisiert wird“, so Zychlinski. Modelle wie eine eigene S-Bahn-Sparte innerhalb der ÜSTRA müssten gründlich geprüft werden. Öffentliche Mobilität gehöre aus seiner Sicht in öffentliche Verantwortung.
